Bericht eines Selbsthilfegruppen Teilnehmers

Der Weg zurück zur Mitte 

Ich möchte im Folgenden Betroffenen von Burn-Out oder Depressionen  meine Erfahrungen mit einer Selbsthilfegruppe von Club D&A mitteilen – ungeschminkt und nicht beschönigend. Nehmt diese Schilderung bitte nicht als Werbung für eine Hilfseinrichtung, nehmt sie bitte als Aufforderung  zur Annahme von Hilfe zu einem selbstbestimmten, befreiten Leben.

Zu meiner Vorgeschichte:

Wir schreiben zur Zeit Februar 2014. Ende des Jahres 2010 stellte ich einen schleichenden Verlust an persönlicher Leistungskraft fest. Ich führte dies auf berufliche Überlastung und „private“ Probleme zurück. Jedenfalls negierte ich die Folgen. Ohne es zu merken, zog ich mich immer weiter aus meinem sozialen Umfeld zurück, verlor jegliche Motivation. Meine Körpersprache spiegelte diesen inneren Verfall offenbar deutlich wieder. April 2012: ein persönlich vertrauter Freund zwang mich in ärztliche Behandlung. In den folgenden Monaten erlebte ich ein Wechselbad der Gefühle, schaute mir in meiner Therapie so manches Thema an. Ich muss gestehen, ein unangenehmer Prozess. Alles gipfelte in einem völligen Zusammenbuch im Jänner 2013. Meine Therapeuten schlug zusätzlich zu face-to-face Gesprächen auch die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe vor (um mich aus der inneren Umklammerung zu befreien).

Ich und eine Selbsthilfegruppe!  Aber was macht man nicht in einer verzweifelten Situation. Die Skepsis war groß. Im April 2013 nahm ich an der ersten Sitzung teil. Und damit betrat ich unwissentlich  – so nenne ich es für mich – den Weg zurück zur Mitte.

Die Gruppe:

Die erste Sitzung – irgendwie im Nebel meiner Skepsis und Ängste verschleiert. Und doch blieb ein Eindruck: neben aller Professionalität schufen die Moderatorinnen eine Atmosphäre der Geborgenheit, ja der Wärme. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich nie gewagt über solche „Gefühlsdinge“ zu reden. Ich beschloss, weiter an der Gruppe teilzunehmen.

Die folgenden Monate – ich wollte ursprünglich ein Kochrezept, um meine Depression oder meine depressive Phase  zu überwinden. Allein eine Moderatorin verweigerte dieses. Das müsse ich schon selbst finden. Aber in der Gruppe könne ich schon Zutaten finden. Geduld, Geduld. Es wurde diskutiert, erschütternde Dinge erzählt, Banalitäten besprochen, gelacht. Es wurde über das Leben gesprochen. Und ich merkte, ich war nicht allein mit dieser grässlichen „Krankheit“. Was aber das entscheidende Erlebnis war, es wurden für jeden Teilnehmer verständlich Inhalte so visualisiert, dass man damit tatsächlich arbeiten konnte. Mir persönlich wurde im Mai ein Bild geschenkt, das einen langen Prozess eingeleitet hat, das mein Denken und auch mein Fühlen nachhaltig geändert hat. Eine Phase der Reflexion und Selbstreflexion war eingeleitet. Für mich völlig neue Welten. Ich begann mich zu stabilisieren.

Der Rückschlag –  einige Sommerwochen später kam unvermittelt der Rückschlag. „Äußere Umstände“. Ich wollte sämtliche Aktivitäten abbrechen. Alte Muster, Verhaltensmuster, schienen mich einzunehmen.  Und da war es wieder: fürsorglich, fast liebevoll, wurde ich durch die Gruppe und die Moderatorinnen aus dieser Krise herausgeführt. Ein sehr starkes Erlebnis. Dieses Erleben der Hilfe, diese behutsame Anleitung zur Selbsthilfe. Hilfe annehmen können, manchmal auch Hilfe geben können.

Der Ist-Zustand – nachdem ich die letzten Monate unter behutsamer Anleitung der Moderatorinnen weiter meinen Weg gegangen bin, kann ich nur festhalten: manch frühere Ängste und Sorgen erscheinen in meinem jetzigen Denken und Fühlen unbedeutend. Ich empfinde mein Leben als sehr befreit. Ich befinde mich in der Mitte. Aber auch im Bewusstsein, der Weg geht einfach weiter. Ein wunderbarer Weg, einfach ein wunderbares Leben.

 

Mein Résumé – ärztliche Begleitung und Psychotherapie sind in Fällen einer Depression oder Überlastungsdepression unerlässlich. Medikamente sollten nur als Hilfsmittel verstanden werden. Psychotherapie als langfristige Heilungschance begriffen werden. Das einzig Wirksame jedoch ist die Selbsthilfe. Doch gerade zu dieser ist man in einer Akutphase eigentlich nicht imstande. Die wunderbaren Gruppen von Club D&A bieten in einem fürsorglichen Rahmen Möglichkeiten, Hilfe zu erfahren, Ansätze zur Selbsthilfe kennenzulernen und durch Aussprache Selbstsicherheit und Resilienz zu gewinnen. Mein Dank gilt im Besonderen dem Moderatorenteam, das neben Professionalität auch menschliche Wärme und Geborgenheit vermittelt.

(Anonym, März 2014)

Unsere Erreichbarkeit!

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e-Mail: office@remove-this.club-d-a.at

Bericht einer Praktikantin

Beziehung wirkt - die Selbsthilfegruppe wirkt!

Seit Jänner 2014 mache im beim Club D&A ein Praktikum im Rahmen des Psychotherapeutischen Propädeutikums. Als mir diese Praktikumsstelle angeboten wurde, konnte ich mir nicht wirklich etwas unter einer Selbsthilfegruppe für Depression, Angst und Burnout vorstellen, unter einer Betroffenheit jedoch schon. Aufgrund meiner posttraumatischen Belastungsstörung nehme ich schon jahrelang psychotherapeutische Hilfe in Anspruch. Ich hatte also bereits einige Erfahrung mit „Profis“ gesammelt und war daher sehr neugierig und ehrlicherweise auch etwas skeptisch, wie so eine Selbsthilfegruppe mit ausschliesslich Betroffenen, also psychotherapeutischen Laien, funktionierte.

Die erste Gruppe, an der ich teilnahm, war ein spannendes Erlebnis für mich. Dazu muss ich vorausschicken, dass ich bereits ein Praktikum bei Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen gemacht hatte, was manchmal eine ziemliche Herausforderung gewesen war und mir Geduld und eiserne Nerven abverlangt hatte. Und hier saßen auf einmal lauter ruhige, reflektierte Menschen, die sich freiwillig mit sich selbst auseinandersetzen wollten - eine ganz neue Praktikumserfahrung für mich. Trotzdem war der erste Eindruck von der Gruppe für mich belastend, ich hatte das Gefühl, von den vielen „Rucksäcken“, die jede und jeder mit sich herumschleppte, förmlich erdrückt zu werden. Nach der Vorstellungsrunde war der Bann jedoch gebrochen. Als ich meine Geschichte der Betroffenheit erzählt hatte, war ich in der Gruppe „angekommen“ und fühlte mich wohl. Die Offenheit, mit der über Probleme und Leidenszustände gesprochen wurde, und die Anteilnahme der Gruppenmitglieder untereinander haben mich tief beeindruckt.

Die erste Zeit bei Club D&A war anstrengend für mich, da ich nach dem Ende der Selbsthilfegruppe nicht abschalten konnte und die besprochenen Probleme mit nach Hause nahm. Weiters tauchten in der Gruppe immer wieder Themen auf, die auch mit meiner Lebensgeschichte zu tun hatten und die mich aufwühlten. Supervision und meine eigene Therapeutin haben mir geholfen, hierzu die notwendige Distanz und somit einen professionellen Umgang zu finden - und ich habe sehr viel dabei über mich gelernt !

Ich habe den Unterschied zwischen Psychotherapie und Selbsthilfegruppe bewusst erlebt und wahrgenommen und bin nun überzeugt, dass beides seinen Platz bei psychischen Problemen hat.

Ich habe im Laufe der Zeit meinen Horizont bezüglich Lebensgestaltungsmöglichkeiten und Problemlösungstrategien wesentlich erweitert, einfacher gesagt, ich habe sehr viel von den anderen GruppenteilnehmerInnen, ModeratorInnen und PraktikantInnen gelernt und davon profitiert.
Jeder Gruppenabend bringt neue Themen, Diskussionen, Erfahrungen, Gefühle .. und ist so spannend wie das Leben selbst. 

Mittlerweile sind die Gruppen schon ein Fixpunkt in meinem Leben geworden. Die Gespräche sind wie ein Austausch unter guten Freunden, wo ich mir einerseits Unterstützung für mein eigenes Leben holen kann und andererseits auch mit meinen eigenen Lebenserfahrungen Hilfe anbieten kann. Ich habe das Gefühl, jeder ist für jeden da!

Besonders hervorheben möchte ich noch die unbedingte Wertschätzung aller Gruppenmitglieder, ModeratorInnen und PraktikantInnen untereinander - auch in  gruppendynamisch heiklen Situationen, die eben auch manchmal vorkommen.

Und so bin ich jedesmal gespannt, wie die Lebensgeschichten weitergehen. Ich konnte bereits unglaubliche positive Veränderungen an einigen GruppenteilnehmerInnen beobachten - es stimmt ja doch: Beziehung wirkt - die Gruppe wirkt!

MR, September 2014